The Frame Dubai – zwischen Kultur und Moderne

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Im April habe ich mal wieder ein paar Tage in Dubai verbracht. Ich weiß gar nicht genau, wie viele male ich schon in der Stadt war, aber die Seite, die ich bei meinem letzten Besuch kennen lernen durfte, war mal wieder etwas Einzigartiges.

In meinem Artikel Dubai – wie alles Begann habe ich bereits von der sehr jungen Geschichte des Emirats am persischen Golf berichtet. Gerade mal 60 Jahre ist es her, dass hier noch keine Wolkenkratzer in den Himmel ragten und die Einwohner sich unter anderem mit der Perlenfischerei ihr Geld verdienten.
Im Dubai Museum, das ich vor einigen Jahren bereits kennen gelernt habe, wurde dieser Teil der Kultur schon recht ansehnlich dargestellt. Nachdem nun aber der Dubai Frame seine Pforten öffnete, wollte ich noch mehr über die Kultur und die Zukunft Dubai’s erfahren.

The Frame Dubai**

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Außenfassade des Frame Dubai**

2013 wurde der Grundstein des Dubai Frame** gelegt. Tatsächlich wunderte ich mich damals schon sehr, dass hier so viel Platz für ein Gebäude in Form eines Rahmen verwendet wird. Damals wusste ich noch nicht, was hier entstehen wird. Um so schöner finde ich die Idee heute.

Am 1. Januar 2018 wurde „The Frame Dubai“** eröffnet und ich habe die Gelegenheit direkt genutzt, mir das Bauwerk, dessen Mantel wohl aus echtem Gold sein soll, mal von innen an zu sehen.

The Frame ist ein überdimensionaler Rahmen, bestehend aus einem Basisgebäude, zwei 150 Meter hohen Türmen und einer 93 Meter langen Brücke. Der „Bilderrahmen“, der genau zwischen Alt- und Neustadt liegt, ist definitiv ein Bauwerk, dass nicht nur wunderschön aussieht, sondern auch noch einen tollen Sinn ergibt. Im Grunde schaut man durch den Bilderrahmen in der einen Richtung in die kulturelle Altstadt und betrachtet man den Rahmen von der anderen Richtung, schaut man in die hochmoderne Neustadt.

Ebenso schön ist das, was sich im Inneren verbirgt. Man geht von der Vergangenheit über die Gegenwart in die Zukunft. Ich möchte nicht zu viel aus der Zukunft verraten, dass sollt ihr schließlich selbst im Frame entdecken, aber Leute Leute, was hier geplant wird, ist einfach nur unglaublich und das verrückte daran: wenn es jemand verwirklicht, dann Dubai. Schaut’s Euch am Besten selbst mal an. Ich möchte mich heute nämlich mit der Vergangenheit und der Gegenwart beschäftigen.

Nach der recht eindrucksvollen Darstellung der Vergangenheit im ersten Teil des Frame fährt man mit dem Aufzug auf 150 Meter nach oben. Auf der Brücke, die teilweise mit Milchglas ausgelegt ist, dass bei Belastung durchsichtig wird, hat man auf der einen Seite den Blick in die Altstadt und auf der anderen Seite blickt man Richtung Neustadt. Der Unterschied könnte größer nicht sein.

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Blick aus dem Frame in die Altstadt Dubai’s

Die Altstadt ist geprägt von kleinen, maximal fünf-stöckigen Sandstein-Häusern, alles ton in ton, in einem sandigen beige und die Jahre, die dieser Stadtteil ohne Renovierung auf dem Buckel hat, ist den Häusern deutlich anzusehen. Von dem Gewusel und dem Trubel, der hier herrscht, ist von oben nur wenig zu sehen, dazu aber später mehr.

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Blick aus dem Frame in die Neustadt Dubai’s

Blickt man nun auf die andere Seite reiht sich ein Wolkenkratzer neben dem anderen und sämtliche Namen der großen Luxus-Hotels sind von der Ferne zu erkennen. Bedenkt man, dass hier vor 60 Jahren noch fast Nichts war, wird der Anblick noch um einiges beeindruckender. Nicht umsonst habe ich in Dubai als den größten Vergnügungspark der Welt beschrieben.

Ich finde es tatsächlich ganz wunderbar, wie der Architekt es geschafft hat, die Kultur und die Moderne der Stadt zu vereinen. Die Location des Frame könnte nicht besser gewählt sein.

Von der Aussicht aus dem Frame bekommt man Lust, die Altstadt etwas näher kennen zu lernen. Was von oben ganz gut zu erkennen ist, ist der Fake Market, der sich in unmittelbarer Nähe befindet. In diesem Markt, werden all die Marken, die es in der Dubai Mall für teures Geld im Original gibt, zu einem Schnäppchen-Preis, natürlich als Plagiat angeboten. Es finden regelmäßig Razzien statt, bei denen der Markt geräumt wird, um wenig später in vollem Umfang wieder zu eröffnen. Ich würde natürlich jedem davon abraten, sich hier mir Plagiaten einzudecken.
Den Rest der Altstadt sollte man sich eher aus der Nähe ansehen. Auf geht’s…

Bur Dubai & Dubai Creek

Nachdem es mit dem Aufzug von der Gegenwart wieder Abwärts in die Zukunft geht, wird man von den eindrucksvollsten Visionen überwältigt. Wie gesagt, ich möchte hier nicht zu viel verraten. Mein Trip geht weiter zum Dubai Creek, in die Altstadt Bur Dubai und den Stadtteil Deira.

Am Dubai Creek, ein Arm des persischen Golf, der über die Jahre immer weiter verlängert und vergrößert wurde, liegt die Altstadt Dubai’s. Bur Dubai. Hier ist von dem Öl-Boom und den Wolkenkratzern, dem High-Society Leben und dem unbegrenzten Shopping-Möglichkeiten nichts zu spüren. Das Highlight am Dubai Creek ist der Old Souk – der alte Markt – auf dem neben den arabischen Gewürzen und traditionellen Gewändern, Kleidern, und anderen Accessoires natürlich auch ein ganzer Schwung Kultur zu finden ist. Selbst wenn man ohne Kaufabsichten hier her kommt, lohnt es sich den Souk etwas genauer unter die Lupe zu nehmen und sich mit der Kultur zu beschäftigen. 

Am Hafen des Dubai Creek liegen und fahren heute noch die Abra’s, die Wassertaxi’s die Bur Dubai mit der anderen Seite Deira verbinden,  sowie die größeren Dhow’s, die heute noch als Transportschiffe zwischen der arabischen Halbinsel und Indien verkehren. Das ist den Dhow’s nicht wirklich zuzutrauen, wenn man sie im Hafen liegen sieht, ist aber tatsächlich so.

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Dubai Creek (Hafen)

Ebenfalls am Dubai Creek liegt die alte Festung Al Fahidi Fort, in dem das Dubai Museum unter gebracht ist. Auch wenn man damit im Frame schon in Berührung gekommen ist, ein Blick in das Museum lohnt sich sehr. Es gibt noch mehr Relikte aus früheren Tagen im Original und einen weiteren Einblick in die Kultur der Stadt.

Al Fahidi District

Nur wenige Minuten vom Al Fahidi Fort entfernt, geht es zum Al Fahidi District, der tatsächlich älteste Stadtteil Dubai’s. Der District wurde Ende des 19. Jahrhunderts von wohlhabenden Textil- und Perlenhändlern gegründet. Hier pulsierte das Leben und Esel und Kamel wanderten neben den arabischen Einheimischen durch die engen Gassen.
Der Sheikh wollte das Viertel ursprünglich abreisen und als Baufläche freigeben, bis sich das englische Königshaus einsetzte, das letzte bisschen Kultur zu erhalten. So wurde aus dem Al Fahidi District, der heute unbewohnt ist, ein Touristendorf, mit zahlreichen kleinen Cafe’s und Souvenir-Lädchen. Davon sollte man sich aber bitte nicht abschrecken lassen, denn was man hier tatsächlich findet ist eine wunderbare Idee der Geschichte. Die Grundmauern wurden zu einem sehr großen Teil erhalten und die Häuser renoviert. Auch die kleinen, verwinkelten Gässchen und Windtürme findet man heute noch so, wie vor über hundert Jahren. Das spannende an der Sache ist, dass man, sobald man durch die Eingangsmauern geht, wie in eine andere Welt abtaucht. „Draußen“ hektischer Trubel und das pulsieren Altstadtleben Dubai’s und „Drinnen“ eine Oase der Ruhe. Man sollte sich auf jeden Fall die Zeit nehmen, gemütlich durch die Gassen zu schlendern und den ein oder anderen Blick in die Schaufenster zu werfen. Zahlreiche Künstler haben sich hier angesiedelt, die ganz besondere Stücke zum Verkauf anbieten. In dem Kaffee-Museum, was etwas versteckt in eine der hinteren Gassen liegt, bekommt man eine schöne Idee der arabischen Kaffee-Kultur. Tasting inklusive. Auch hier gibt es wechselnde Ausstellungen von lokalen, jungen Künstlern, mit teilweise sehr beeindruckenden Werken.

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Al Fahidi District, Dubai

Deira

Nach einem anstrengenden und sehr eindrucksvollen Tag, geht es nach Deira, in dem meine Unterkunft liegt. Sicher bekommt man Richtung Downtown oder am Jumeirah Beach deutlich luxuriösere Unterkünfte und eine moderne Umgebung, dennoch sollte man zumindest einen Blick in diesen Stadtteil werfen. 

Während ich diese Zeilen geschrieben habe, saß ich gerade auf der Terrasse des verhältnismäßig kleinen Hotels und lauschte den Gesängen, der nahe gelegenen Moschee, in der gerade das Abendgebet begann. Genau diese Atmosphäre macht Deia aus.

Die Architektur Deira’s ist nicht mit Downtown, oder den neuen Stadtteilen zu vergleichen. Belegen kann ich das natürlich nicht, aber ich würde behaupten, dass hier nur sehr wenige bis gar kein Gebäude mehr als 20 Stockwerke haben. Hört sich erst mal viel an, betrachtet man allerdings den Burj Khalifa mit seinen 163 Etagen, sind die Gebäude in Deira eher kleinwüchsig. Auch ist die Architektur in dem Stadtteil ist in recht schlichtem, arabischen Stil gehalten. Sehr viel Sandstein und verhältnismäßig wenig Glas. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber das sind dann tatsächlich die 5 Sterne Hotels, die sich erst später hier angesiedelt haben.

Sicher werdet ihr den Clocktower, das Wahrzeichen Deira’s und des früheren Dubai, wieder erkennen, den es im Frame bereits im Video der Vergangenheit zu sehen gab. Kurz nach dem Clocktower befindet sich dann die Moschee, die zum Abendgebet hunderte von Arabern anlockt. Für Besucher ist die Moschee allerdings geschlossen.

Auf der gleichen Straße befindet sich auch die erste Mall der Stadt. Die Deira Mall. Wer sich bereits mit der Dubai Mall oder auch mit der etwas kleineren Mall of the Emirates vertraut gemacht hat, wird eher lächeln. Dennoch würde ich einen kleinen Abstecher empfehlen, denn hier pulsiert das Leben. Offen gestanden, arabische Einheimische findet man hier eher weniger. Mehr ist es das Arbeitervolk, dass in die Deira Mall zum Shoppen kommt. Keine teueren Marken wie Gucci, Versace und Co., dafür bodenständige, erschwingliche Produkte für das „Arbeitervolk“.

Genau diese Menschen sind es auch, die den Stadtteil Deira bevölkern. Zwar findet man hier sehr viele traditionell arabische Ladengeschäfte, aber das hier ansässige Volk sind zu meist Zuwanderer aus Indien, Pakistan, Sri Lanka und Co.
Deira ist auch bekannt für die vielen Dry Hotels und Restaurants, sprich es wird kein Alkohol in den Bars und Restaurants ausgeschenkt. Einige Ausnahmen gibt es natürlich. Ein gutes Beispiel dafür ist das Hofbräuhaus im JW Marriott Hotel. Ja, richtig gelesen… Hofbräuhaus. Ich war bisher zwei mal dort und obwohl im Islam der Alkohol verboten ist, geht hier jede Menge Bier an offensichtliche Araber über den Tisch. Dass die Herren nicht sehr viel vertragen, ist ebenso offensichtlich, denn beide Male habe ich im Hofbräuhaus Eklats zwischen betrunkenen Arabern im Kandura (dem traditionell arabischen Gewand der Herren) erlebt.

Selbst wenn man sich für ein Hotel am Jumeirah Beach oder in Downtown entscheidet, den ersten Eindruck, den man von Dubai bekommt, wenn man über den Internationalen Flughafen einreist, ist in der Tat nicht der, der sich in Downtown und den neueren Stadtteilen bewahrheitet. 

Der Dubai International Airport liegt am Rande von Deira und im Frame hat man sehen können, wie sich der Flughafen in den letzten Jahren zu einem der größten der Welt entwickelte.

Reist man am Tag an, wird man hier auf ein geschäftiges Gewusel treffen. Zahlreiche Menschen sind auf der Straße unterwegs, oft mit einem Schirm, zum Schutz vor der Sonne und der Verkehr ist wohl niergens in der Stadt so heftig, wie in Deira. Während die  Sheikh Zayed Road unglaubliche 6 Spuren in jede Richtung hat, sind die Straßen in Deira maximal dreispurig. Zurecht stellen sich hier Taxi-Fahrer die Frage, wie das wohl funktionieren soll, wenn hier die Expo 2020 stattfindet. Zwangsläufig muss man vom Flughafen durch Deira, um in die Stadt zu gelangen.

Reist man am Abend, bzw. in der Nacht an, wird man von blinkenden Leuchtreklamen an jeder Ecke empfangen. Ganz nach dem Motto „viel hilft viel“, werben die meist traditionell arabischen Geschäfte hier mit vielen leuchtenden Farben. Ist man auf der Suche nach Möbeln im arabischen Stil, oder auch pompösen Brautmoden und Abendkleidern, ist man hier genau richtig.

Es ist spannend mal eine andere Seite von Dubai kennen zu lernen, die man sonst im TV präsentiert bekommt und ich hoffe, ich konnte dazu inspirieren nicht nur die bekannten Sehenswürdigkeiten in Downton und den neuen Stadtteilen zu besuchen, sondern auch mal einen Blick in die Kultur der Stadt zu werfen und Bur Dubai, den Dubai Creek und Deira kennen zu lernen. 

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Viel Spaß bei Deinem nächsten
Trip zwischen Kultur und Moderne
in Dubai.

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Dubai – wie alles Begann

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Heut zu Tage ist Dubai eine der meist besuchtesten Städte weltweit, aber das war nicht immer so. Das Emirat, dass einst von der Perlenfischerei lebte und aus Wüste und kleinen Siedlungen bestand ist seit dem ersten Ölfund 1966 und dem damit beginnenden Bauboom zu einer Mischung aus Faszination und Unwirklichkeit herangewachsen. Leider habe ich die Anfänge nicht live mit erlebt, konnte allerdings in den letzten 5 Jahren während meinen zahlreichen Trips sehr viel über die junge Geschichte und das Leben in Dubai kennen lernen.

Ich kann mich gut an meine erste Reise nach Dubai erinnern. Schon bei der Ankunft am Dubai International Airport stellte sich bei mir eine gewisse Faszination ein. Einfach nur groß, mächtig, prunkvoll, modern und traditionell zugleich. Diese Faszination verstärkte sich zunehmend auf dem Weg vom Flughafen im Stadtteil Deira, über die Sheikh Zayed Road, bis hin um Jumeirah Beach. Ein Wolkenkratzer nach dem anderen und alles leuchtete und funkelte. Dazu die Hitze und Trockenheit der Wüste. Heute, nach 5 Jahren hat sich meine Sicht auf Dubai deutlich relativiert. Meine Erfahrungen, sowie ein bisschen “Geschichtsunterricht” möchte ich mit diesem Blog gerne teilen.

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Blick auf die Dubai Fontäne und Dubai Downtown

Wie alles Begann…

An der Mündung des Dubai Creek – eine 14 km lange Bucht des persischen Golf – existierte schon lange eine kleine Siedlung von Perlentauchern und Fischern, die damals in Beduinenzelten und kleinen Hütten lebten. Mit Entwicklung des Hafens in den 20er Jahren wurde die Region immer attraktiver und Handel- und Seeleute gesellten sich dazu. In den 30er Jahren brach die Perlenfischerei zusammen, konnte aber durch den wachsenden Handelshafen gut kompensiert werden. Der wohl entschiedenste Meilenstein in der Geschichte war der erste Ölfund 1966. Die Vereinigten Arabischen Emirate, wie es heute heisst, gibt es in dieser Form erst seit den 70er Jahren. Damals wie heute unter der Führung des Emirats Abu Dhabi. Wobei die Herrscherfamilie Dubai’s “Al Maktum” traditionell den Premierminister, den Finanz- und Industrieminister, sowie den Verteidigungsminister stellt. Neben der steigenden Ölindustrie, sorgte die sehr liberale Wirtschaftspolitik (man könnte es auch Steueroase nennen) für den Bauboom und liess in Deira und Bur-Dubai das Spektakel beginnen. Den Anfang machte 1979 das World Trade Center, das damals mit seinen 184 Metern das höchste Gebäude der arabischen Welt war. Im Laufe der 90er Jahre – laut dem Emiratis die goldene Zeit – entstand in der Sheikh Zayed Road ein Wolkenkratzer neben dem nächsten und schliesslich wurde 1999 das Burj al Arab, das weltweit erste Sieben Sterne Hotel und heutige Wahrzeichen Dubai’s eingeweiht.

In den vergangenen 20 Jahren gingen die Einnahmen aus der Ölindustrie immer mehr zurück. So liess die Herrscherfamilie Al Maktum in den frühen 2000ern rund um den Burj al Arab das Luxusresort Madinat Jumeirah entstehen, das den Tourismus ankurbeln und die Verluste aus der Ölindustrie kompensieren sollte. Wie man heute sehr eindrucksvoll erkennen kann, ging dieser Plan auf.

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Der Burj Khalifa in Dubai

Schliesslich wurde 2010 das aktuell höchste Gebäude der Welt, der Burj Khalifa eingeweiht.

Der Bauboom ist ungebremst, allerdings scheinen die goldenen Zeiten sich gewandelt zu haben. Die einstige Steueroase gibt es in dieser Form nicht mehr und generell scheint Dubai langsam erwachsen zu werden.

Die Arbeiterklasse

Der rasante Wachstum zog im Laufe der Jahre mehrere zehntausend “Glücksuchende” pro Jahr nach Dubai, so dass Emigranten aus aller Welt heute 85% der Bevölkerung ausmachen. Meist kommen die Arbeiter aus Indien, Pakistan und Bangladesh, sowie aus Südasien und Afrika und lassen nicht selten ihre Familien in ihren Heimatländern zurück. Einmal in Dubai angekommen, beginnt das Spiel…
Anfangs war ich beeindruckt, wie gut die Multikulti-Gesellschaft miteinander klar kommt, wo doch Religion und Tradition in den arabischen, aber auch den asiatischen und afrikanischen Ländern eine große Rolle spielt und sich nur selten miteinander vereinen lässt. Nachdem ich aber die Hintergründe kennenlernen durfte, wurde mir einiges klar. Irgendwie mussten die prachtvollen Gebäude ja entstehen, also holte man sich billige Arbeitskräfte aus Indien und Pakistan. Vor wenigen Jahren war es noch der Fall, dass Unternehmen Arbeiter aus den genannten Ländern mit attraktiven Angeboten lockten. Waren diese aber erst mal im Lande, wurde ihnen der Pass abgenommen und zu (teilweise) Hungerlöhnen beschäftigt. Hier wurde glücklicherweise ein Riegel vor geschoben und die Arbeiter unterschreiben heute Ihre Verträge zu Hause und wissen genau, auf was sie sich einlassen, bevor sie einreisen. Was nicht heissen soll, dass die Bezahlung deutlich besser wurde oder der Pass nicht abgegeben wird. Lässt sich ein Arbeiter etwas zu schulden kommen (oder auch nicht), wird es richtig hässlich. Gefängnis, Ausweisung und sogar ein Einreiseverbot können verhängt werden. Und hier geht es nicht um Straftaten. Im Prinzip haben die Emiratis das Glück oder Unglück der Gäste in der Hand. Passt alles, lässt es sich wunderbar leben. Ist das aber nicht der Fall und der Arbeiter verliert seine Beschäftigung, heisst es direkt Ausreise. Unter Umständen kann dann sogar ein Einreiseverbot verhängt werden. Ich selbst durfte einen in Dubai arbeitenden Pakistani kennen lernen, der ausgewiesen und ein einjähriges Einreiseverbot bekam, weil er offensichtlich nicht so machte, wie man es von ihm erwartete.
Das hört sich alles erst mal sehr nach moderner Sklaverei an und zu Anfang und nur wenigen Insights stand ich diesem Vorgehen auch sehr skeptisch gegenüber, allerdings muss ich das heute etwas relativieren. Dass der Pass eingezogen hat, erschreckte mich anfangs sehr, doch Tatsache ist nun mal, dass die Arbeitgeber für die Einreise, das Visum und das uneingeschränkt anständige Verhalten Ihrer Angestellten sozusagen verantwortlich sind. Oftmals kommen die Arbeiter aus armen Ländern mit einem geringen Bildungsstand und um hier eine gewisse Ordnung und Erziehung rein zu bringen, ist es gang und gebe und gar nicht so verwerflich, wie es auf den ersten Blick scheint. Bei “guter Führung” besteht natürlich auch die Möglichkeit in Management Positionen zu wachsen, sich damit ein “besseres” Leben zu erfüllen und die Familie nach zu holen. Bis spätestens zur Rente, denn dann müssen die Gäste das Land wieder verlassen.
Der Effekt aus dieser Vorgehensweise ist sicherlich, dass zum einen der Service in allen Bereichen hervorragend ist. Ich jedenfalls habe bisher kein Land erlebt in dem man zuvorkommender behandelt wird, als in dem kleinen Emirat am persischen Golf. Zum anderen, dass es weder Kriminalität, noch Arbeitslose, noch Obdachlose gibt. Einfach alles scheint perfekt zu sein. Das ist es wohl auch, was Dubai zu einer der meist besuchtesten Städte weltweit macht.

Die Upperclass

Neben dem Emigranten aus den asiatischen und afrikanischen Ländern kommen auch viele Europäer, Kanadier und Nordamerikaner nach Dubai, um das große Geld zu machen. Hier sieht die Situation etwas anders aus. In der Regel findet man die Menschen aus diesen Ländern in Management Positionen oder eben als Selbstständige, die in der goldenen Zeit das Potential erkannten. Ganz interessant war es, als ich vor etwa zwei Jahren auf eine Gruppe junge (deutsche) Männer traf, die einen etwas länger, die anderen erst kurz in Dubai, die mir alle samt einen sehr oberflächlichen Eindruck machten. Das Ganze wurde dann auch bestätigt, als einer der Gruppe erzählte, dass man hier keine wirklichen Freunde finden kann, denn es dreht sich alles nur um den Erfolg. Ich durfte glücklicherweise auch das Gegenteil kennen lernen, allerdings spielt der Erfolgsaspekt schon eine wesentliche Rolle im Alltag. Was aber kein Wunder ist, denn das Leben ist nicht gerade günstig und möchte man auch etwas unternehmen und nicht nur in Sharjah (einem benachbarten Emirat von Dubai) leben, benötigt man schon das nötige Kleingeld.

Die Infrastruktur

Das Wachstum macht sich auch deutlich im Stadtverkehr bemerkbar. Gibt es in Deira (auch old Dubai genannt) meist nur 2-3 spurige Strassen, wurde die Sheikh Zayed Road bereits auf 6 spuren (einseitig) ausgebaut. Die Strassen sind mit einem ausgefeilten Maut System, dem Salik, ausgestattet. Das ist ein Sticker an der Windschutzscheibe und per SMS Service werden die Gebührenstände durch gegeben. Generell läuft in Dubai so ziemlich alles über das Smartphone. Die Telefonnummer ist quasi die Identität der Menschen.

Das öffentliche Verkehrsnetz von Dubai ist vorbildlich. Das ist wohl auch notwendig, denn viele der Arbeiter besitzen gar kein Auto. Dieser Luxus ist nach wie vor der Upperclass vorenthalten. Bekommt ein Arbeiter ein Auto von seinem Arbeitgeber gestellt, ist dies in der Regel mit GPS ausgestattet und der Chef kann jeder Zeit (auch in der Freizeit) nachverfolgen, wo sich der Bursche herumtreibt.
Als Tourist hat man zahlreiche Möglichkeiten von A nach B zu gelangen. Angefangen bei den Linienbussen. Seit 2008 gibt es sogar klimatisierte Haltestellen, die das Warten im Sommer bei 50°C etwas erträglicher machen.
Seit 2009 fährt die fahrerlose Metro im Minutentakt zwischen dem Dubai International Airport und Jebel Ali hin und her.
Für den individuellen Transport gibt es neben den tausenden von Taxis auch Portale wie Uber. Natürlich gibt es auch “Frauentaxis”, die von Frauen für Frauen gesteuert werden und mit ihrem rosa Dach nicht zu übersehen sind.
Auf dem Dubai Creek gibt es die Abras, die zwischen Deira und Bur-Dubai hin und her fahren. Eine sehr interessante Art der Fortbewegung, aber vor allem bekommt man mit dem dem Abra ein kleines Gefühl dafür, wie es hier vor knapp 60 Jahren noch ausgesehen haben muss.

Das waren ein paar kleine Einblicke in die Entstehung des heutigen Dubai’s mit einigen meiner Erfahrungen, die ich den vergangenen 5 Jahren sammeln durfte. Mehr zu Dubai gibt es in meinem Blog Dubai – der größte Vergnügungspark der Welt  zu entdecken.

Viel Spaß in Dubai

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