Ein Tag in Pamplemousses

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Nachdem ich kurz nach meiner Ankunft auf der paradiesischen Insel Mauritius, die Landkarte studierte, viel mit ein Ort mit einem witzigen Namen ins Auge: Pamplemousses.
Die Kleinstadt zwischen Grand Baie und Port Louis ist tatsächlich nach den grapefruite-ähnlichen Zitrusbäumen benannt, die seinerzeit die Holländer auf die Insel brachten.
Schlussendlich war es aber nicht der Name, der mich zu einem Auslug nach Pamplemousses bewegte, sondern eine der Hauptattraktionen der Insel, wie es heißt:

Der Botanische Garten von Pamplemousses

Der Sir Seewoosagur Ramgoolan Botanic Garden, benannt nach dem ersten Premierminister des unabhängigen Mauritius, gilt als der ältester Botanischer Garten der Südhalbkugel und soll nach den Kew Gardens in London der zweitbeste der Welt sein.
Ich bin überrascht über diese Auszeichnung, habe ich doch schon Botanische Gärten in anderen Ländern gesehen, die mir persönlich besser gefallen haben. Vermutlich liegt es aber daran, dass die Artenvielfalt in dem Garten von Pamplemousses tatsächlich extrem reichhaltig ist, was, so vermute ich, in anderen Botanischen Gärten, außer den Kew Gardens nicht der Fall ist. Die Optik spielt hier wohl eine ungeordnete Rolle. Recherchiert habe ich das allerdings nicht.

Tatsächlich ist der Sir Seewoosagur Ramgoolan Botanic Garden als eine der Hauptattraktionen der Insel bekannt und ich war auf Besucheranstürme und drängende Menschenmassen eingestellt. Weit gefehlt, mein Besuch im Botanischen Garten war super entspannt. Das Areal ist so weitläufig und clever angelegt, dass es Fleckchen gab, die wir in diesem Moment für uns ganz alleine genießen konnten.

Sir Seewoosagur Ramgoolan Botanic Garden in Pamplemousses, Mauritius

Der ursprüngliche Plan der Franzosen war es, die Ile de France (wie Mauritius einst hieß) zu einer Gewürzinsel zu entwickeln, um sich unabhängiger von den Holländern zu machen, die seinerzeit das Monopol auf den Handel indischer Gewürze hatten. So pflanzte der Botaniker Pierre Poivre einen importierten Gewürznelkenbaum. Als dieser dann auch noch zu blühen begann brach er damit nicht nur das Monopol der Holländer, sondern legte zugleich den Grundstein für den heutigen Botanischen Garten in Pamplemousses.

Auf 37,5 Hektar säumen sich heute heimische und importierte Pflanzen im Park, dessen Pflege über einige Zeit recht vernachlässigt wurde. Zwar wird heute wieder mehr Wert auf das Erscheinungsbild gelegt, doch ich persönlich finde, dass hier noch Luft nach oben ist.

Der Eintritt liegt bei 200 Rupien (knapp 5 Euro) was absolut angemessen ist. Nicht im Verhältnis dazu steht der Preis, den man für die Guides zahlt, die am Eingang bereit stehen und optional für einen Rundgang mit ausführlicher Erklärung gebucht werden können, nämlich 50 Rupien (rund 1,25 Euro).

Meine Highlights des Sir Seewoosagur Ramgoolan Botanic Garden

Die Allee der Persönlichkeiten

Der Sir Seewoosagur Ramgoolan Botanic Garden genießt eine weltweite Bekanntheit. So hat es sich etabliert, dass Persönlichkeiten, die das Land besuchen (vorwiegend aus der Politik) einen Baum in einer im Park angelegten Allee pflanzen. Unter anderem hat sich hier auch Nelson Mandela mit einem Baum verewigt.

Das Riesen-Schildkröten- und Hirschgehege

Am Rande des Gartens, versteckt sich ein Gehege mit Riesen-Schildkröten. Die auf Mauritius einst vom aussterben bedrohten Tiere werden von der MWF, der Mauritius Wildlife Foundation geschützt und auch der Botanische Garten trägt seinen Teil zum Erhalt der wunderschönen Tiere bei.
Direkt nebenan befindet sich ein Gehege mit Hirschen. Hirsche auf Mauritius?! Ganz genau. Im Norden der Insel leben sie in freier Wildbahn in dicht bewaldetem Gebiet.

Die weißen Lotus-Blüten

Der dicht bewachsene Teich mit den weißen Lotusblüten, die eigentlich rosa blühen, sind definitiv ein Highlight des Garten. Wunderschöner Anblick und alleine deshalb lohnt sich der Besuch im Botanischen Garten.

Die Amazonas-Riesenseerosen

Das absolute Highlight ist ein großer Teich mit Amazonas-Risenseerosen, die aus den USA importiert wurden. Bereits im Herbst beginnen die Seerosen sich zu entfalten und sich, wie ein Teller auf dem Teich auszubreiten. Die Seerosen blühen am ersten Tag weiß und am zweiten Tag rosé und das auch nur im Januar. Es ist im Dezember demnach recht unwahrscheinlich eine blühende Amazonas-Riesenseerose zu entdecken, doch  auch ohne Blüten kommt das Auge hier auf seine Kosten.

Die Palmenvielfalt

Der Sir Seewoosagur Ramgoolan Botanic Garden beheimatet unglaubliche 80 verschiedene Palmenarten, darunter auch ganz Besondere, wie die Talipot Palme. Die Talipot Palme wird bis zu 25 Meter hoch und blüht nur einmal in ihrem Leben – nach 30 – 80 Jahren – danach stirbt sie ab. Faszinierend…

Alles in Allem hatte ich vom Botanischen Garten in Pamplemousses durchaus mehr erwartet, doch enttäuscht war ich keineswegs. Es ist ein schöner Ausflug und verbunden, mit der nächten Attraktion in Pamplemousses ein absolut gelungener Tag.

L’Aventure du Sucre

Nach dem Besuch im Botanischen Garten, dachte ich, wenn ich schonmal in der Nähe bin, bietet es sich doch an, noch einen Abstecher in das Zuckermuseum zu unternehmen. Also auf zum Zuckermuseum. Wäre ich der guten Ausschilderung gefolgt, wäre ich auch direkt am Eingang gelandet, ich habe mich jedoch auf meine GPS Map verlassen die mich stattdessen zum Haupteingang der Beau Plan Zuckerfabrik führte. Hier wird nämlich immer noch produziert, allerdings deutlich moderner als damals und in einem neuen Gebäude. Die alte Zuckerfabrik ist heute zu einem Museum umgebaut. Der nette Herr an der Pforte hat mir den Weg zum Besuchereingang erklärt und so war das Ziel dann doch schnell gefunden.

Alte Lokomotive von Mauritius

Das Gelände vor dem Museum war bereits ein erster Hingucker und bot einen kleinen Ausflug in die Mauritische Geschichte. Vor dem Restaurant steht eine alte Lokomotive, deren Wagon zu einem Imbiss umgebaut wurde. Was die Lokomotive hier so besonders macht, möchte ich Euch gerne erzählen.

Um das Jahr 1850 schien die Zuckerindustrie auf Mauritius zu kollabieren, denn das Mauritische Gold wurde per Esel- und Pferdekarren quer über die Insel transportiert. Zu groß waren die Mengen für die verfügbare Kapazität an Transportmitteln. So wurde 1856 der Plan gefaßt ein Eisenbahnnetz über die Insel zu spannen um so den Zuckertransport zu gewährleisten. Gesagt, getan, 6 Jahre später war es dann soweit und es führten immerhin zwei Strecken über die Insel. Weitere folgten in den Jahren darauf.
In den 1950er, knapp 100 Jahre nach der Eröffnung des Eisenbahnnetzes, erschien der Transport per Güterverkehr schon weniger rentabel geworden zu sein, da das Zuckergeschäft immer mehr zu einem saisonalen Produkt wurde und generell die Produktion auf der Insel zurück ging. Bereits 10 Jahre später wurde der Eisenbahnbetrieb eingestellt und ein Überbleibsel, nämlich eine Lokomotive inklusive Wagons ist heute auf dem Gelände der Zuckerfabrik Beau Plan zu bestaunen.

Das Museum L’Aventure du Sucre

Tatsächlich war ich etwas überrascht vom Eintrittspreis von 425 Rupien pro Person, ist das für Mauritius doch verhältnismäßig teuer, doch am Ende kann ich nur bestätigen, was ich im Vorfeld gelesen hatte, nämlich dass dieses Museum eines der besten der Insel ist. Jedenfalls fand ich den Besuch sehr interessant.

Zum Eintrittspreis bekommt man einen Gratis-Audioguide, den man sich per App auf sein Smartphone laden kann. Gar nicht schlecht, wie ich finde.

Los geht die Tour durch das Museum mit einer schönen Ausstellung über die multikulturelle Geschichte der Insel, die stark durch den Zucker geprägt wurde. Man sollte sich etwas Zeit nehmen, und die Geschichte zu entdecken, denn nur so wird man entstehen, wie es zu den verschiedenen Kulturen kommt, die auf der Insel zusammen leben.

Direkt nach dem „Geschichte-Pavillon“ geht es in die alten Betriebshallen und weiter in die verschiedenen Bereiche von Zuckerproduktion und Zuckerrohranbau, bis zu Energie, Wirtschaft und Handel. Der Audi-Guide erklärt was genau an den einzelnen Anlagen passierte und wie aus einem Zuckerrohr schussendlich genießbarer Zucker, oder sogar Rum hergestellt wurde. Die Anlagen sehen aus, als ob sie erst gestern noch in Betrieb waren und das gesamte Museum macht einen hervorragend gepflegten Eindruck.
Zu guter letzt kommt man um die „Boutique“ nicht herum, was aber gar nicht schlimm ist, denn hier hat man die Möglichkeit verschiedene Zuckersorten zu testen und sich ein kleines Rumtasting zu gönnen.

Anlagen im Zuckermuseum L’Aventure du Sucre auf Mauritius

Bis auf diese zwei Attraktionen, die zugleich zu den touristischen Hauptzielen der Insel gehören, hat Pamplemousses nicht wirklich etwas zu bieten. Ein sehr umtouristisches und fast verfallenes Dorf scheint von den Touristengebieten Welten entfernt zu sein. Doch alleine wegen dem Botanischen Garten und dem Zuckermuseum lohnt sich ein Ausflug nach Pamplemousses im Norden der Insel zwischen Grand Baie und Port Louis.

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