Portoroz und der Süden

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Dober Dan aus Istra
(Guten Tag aus Istrien)

Meine Tour im Süden Sloweniens

Portoroz – der Hafen der Rosen. Schöner könnte ein Name für einen kleinen Badeort ganz in Slowenisch Istrien, im Süden Slowenien’s nicht sein. Badeort, Slowenien, fragst Du Dich… Ganz genau.
Slowenien liegt am Adriatischen Meer, wenn es auch nur 46 Kilometer sind.
Eingekesselt zwischen Italien und Kroatien liegen gleich drei Städte in weniger Entfernung zueinander, die für sich jeweils besonders sind. Von meiner Reise zu diesen drei Adria-Schönheiten und noch mehr möchte ich Euch hier gerne erzählen…

Piran

Wie auch das übrige Slowenien hat die Stadt im venezianischen Stil eine lange und aufregende Geschichte hinter sich. Viele Nationen haben hier ihre Spuren hinterlassen – Deutschland, Österreich, Italien, Kroatien und Jugoslawien. Den Österreichern hat Piran seine Salinen zu verdanken. Im 19. Jahrhundert begann hier die Salzproduktion, die noch heute aktiv ist. Die Salinen und das Salzmuseum können hier besichtigt werden. Ich habe es in der Kürze der Zeit leider nicht geschafft, aber interessant ist es bestimmt. Scheinbar hat das Salz viel zur Konjunktur der Region beigetragen, auch wenn heute der Tourismus die vorherrschende Einnahmequelle darstellt.

Ich habe Piran an einem Sonntag besucht. Über die steil abfallende Landstraße kam ich an einem Parkplatz vorbei, an dem Busse und hunderte von Autos parkten. Wahrscheinlich hätte es Sinn gemacht, das Auto hier abzustellen, aber das wusste ich bis dahin noch nicht. Also bin ich weiter gefahren. Kurz danach kam ich dann an eine Pforte, an der ich ein Parkticket ziehen musste. Die Preise stehen zwar an, aber offen gestanden habe ich nicht wirklich darauf geachtet. Schlussendlich habe ich 5€ pro Stunde Parkgebühren bezahlt, um in Zentrumsnähe parken zu können. Schon ein stolzer Preis…
Gemütlich bin ich dann entlang der Küste die Bucht entlang geschlendert, bis hin zum Tartiniplatz.

Vom Tartiniplatz, dem Zentrum der Stadt schlängeln sich kleine Gassen in die Altstadt von Piran. Die Stadt selbst hat rund 4.000 Einwohner. Mir kam es vor, dass hier jeder Bürger sein eigenes kleines Häuschen in der Altstadt hat. Die kleinen Häuser mit ihren bunten Farben sind sehr hübsch anzusehen und wenn ich es nicht besser gewusst hätte, hätte ich gedacht, ich bin in Venedig.
Vom Tartiniplatz geht eine enge Gasse ab, die wieder zur Strandpromenade führt. Kleine Lädchen mit ausgefallenen Handarbeiten und Souvenirs, sowie Eisdielen und kleine Restaurants sind hier zu finden. Klein-Venedig eben…

Altstadt von Piran, Slowenien

Zurück an der Strandpromenade beginnt die Autofreie Zone. An dem heißen Sonntag, an dem ich in der Stadt war, lagen Sonnenanbeter auf den Felsen vor der Küste. Viele Andere hatten Ihre Strandtücher und Liegen einfach auf dem weitläufigen Gehweg ausgebreitet. Auch die Einheimischen, die ihr Häuschen in erster Reihe haben, ließen es sich an diesem Sonntag gut gehen.
Ein Stückchen weiter geht es zum „Strand“. Warum ich den „Strand“ in Gänsefüßchen setzte? Naja, weil Piran an einer Felsenküste liegt, wurde hier einfach eine Betonplatform mit kleinen Leitern zum Einstieg in das Wasser gebaut und als Strand markiert. Nicht gerade mein Fall, aber viele Andere ließen sich hier die Sonne auf den Bauch scheinen und genossen ihren Sonntag. Zwar wurden die Abstandsregeln weitestgehend eingehalten, doch in diesem Moment habe ich mir die Frage gestellt, wie voll es hier erst sein muss, wenn gerade mal kein Corona unterwegs ist.
Auf der anderen Seite der Strandpromenade reihen sich Restaurants aneinander. Die meisten sind Italiener und Slowenische Hausmannskost wird man hier eher vergeblich suchen.

Mein Fazit: Piran ist eine tolle kleine Stadt, die eigentlich mehr an Italien, als an Slowenien erinnert. Für einen „Tag am Meer“ meiner Meinung nach eher nicht geeignet, aber sicherlich einen Besuch wert. Ich persönlich möchte Piran als eine der schönsten Städte Slowenien’s bezeichnen wollen, vielleicht gerade weil sie so anders ist, wie all das, was ich sonst von Slowenien kenne.

Portoroz

Die Stadt mit dem wunderschönen Namen „Rosenhafen“ gehört zur Gemeinde Piran und liegt rund 4 Kilometer entfernt. Im Winter ist der Ort ein kleines beschauliches Städtchen mit rund 3.000 Einwohnern. Im Sommer hingegen sind wohl fünf mal so viele Menschen in der Stadt. Portoroz ist der Touristenhotspot im Süden Slowenien’s. Vor allem am Wochenende wird die Stadt so richtig voll. Slowenen, aber auch Wochenendurlauber aus Italien kommen nach Portoroz, um es sich gut gehen zu lassen. Im Grunde spielt sich alles an der Küstenstraße und der Strandpromenade ab. Eine historische Altstadt wie in Piran, gibt es nicht.
Ende des 10. Jahrhunderts entstanden in Portoroz Kureinrichtungen und das erste Freibad. Im Laufe der Jahre entwickelte sich die Stadt zur Hauptstadt des Tourismus. Zahlreiche Hotelkomplexe haben sich im Laufe der Jahre hier angesiedelt. Darunter auch Top Hotels wie das Kempinski**. Das mit Abstand beste Hotel der Stadt. Die Gäste haben Zugang zum Exklusiven Strandabschnitt des Meduza Exclusive Club. Extrem bequeme Liegeflächen bis hin zu ganzen Pavillons mit Strandbetten stehen hier zur Miete bereit. Direkt daneben der Meduza Club, der zwar weniger komfortabel ist, aber dennoch zur Entspannung dient. Für 17€ gibt es zwei Strandliegen und einen Sonnenschirm für einen Tag. Auch dieser Strand ist nicht öffentlich. Nur Gäste der 4 Sterne Hotels, zu denen auch das Hotel Marko**, in dem ich mich eingemietet hatte gehört, haben hier Zutritt. Der Strand ist befestigt und begrünt und es gibt keinen Sandstrand. Über Leitern können die Badegäste in das Adriatische Meer eintauchen. Aber Vorsicht… Quallenalarm.
Angrenzend an den Meduza Beach Club, der im Grunde das westliche Ende der Stadt bildet, beginnt die „Partyzone“. Viele Restaurants, Bars und auch Clubs säumen die Strandpromenade bis hin zum öffentlichen Strand von Portoroz, der zwar ebenfalls befestigt, aber mit Sand aufgeschüttet wurde.
Wo Touristen, da auch Einkaufsmöglichkeiten. Diese finden sich auf der Küstenstraße auf der Rückseite der Restaurants und Bars. Zum Shoppen ist Portoroz nicht wirklich geeignet, aber für einen Tag am Strand ist es perfekt.

An der Strandpromenade von Portoroz, Slowenien

Koper

Koper ist die Handelsstadt der Gegend. Hier befindet sich der einzige Hafen Sloweniens. Beim Einfahren in die Stadt wirkt es mehr als eine Großstadt mit Geschäftsgebäuden und Industrie. Je weiter es Richtung Stadtzentrum geht, desto schöner wird es.

Entlang der Promenade spielt sich der Tourismus ab. Hier befinden sich die Restaurants und Hotels der Stadt. Zwar immer noch mit italienischem Einschlag, doch anders als in Piran lässt sich hier auch wieder das ein oder andere slowenische Gericht auf der Karte finden.



Der Yachthafen von Koper, Slowenien

Am Rande der Promenade, bevor es in das Hafenviertel geht, wurde ein Freibad mit Zugang zur Adria eingerichtet. Der begrünte Strandabschnitt war sogar am Montag, als ich in der Stadt war, ziemlich voll. Die Atmosphäre war für meine Begriffe nicht gerade einladend. Wenige Meter weiter liegen die großen Frachtschiffe im Hafen und generell hatte die Aussicht eher etwas von Industriegebiet, als entspanntes Strandfeeling. Naja, den Einheimischen scheint das nichts auszumachen.

Der Strand von Koper, Slowenien

Die Altstadt ist recht klein und sehr gemütlich. Durch die Fußgängerzone geht es bis zum Platz vor der Maria Himmelfahrt Kathedrale und weiter zu einem Aussichtspunkt auf das Hafenviertel, von dem sich das Be- und Entladen der Frachter in Seelenruhe beobachten lässt.

Der Hafen von Koper, Slowenien

Etwas außerhalb des Stadtzentrums befindet sich die Vina Koper**. Ein riesiges Weingut mit hervorragenden Weinen aus der Region. Das Highlight im Shop der Vina Koper** ist sicherlich die Do-it-Yourself-Weinprobe. Mit einem Ticket, dass man an der Kasse käuflich erwerben kann, können hier die verschiedenen Rot- und Weißweine aus den gekühlten Zapfanlagen getestet werden. Das klingt jetzt vielleicht abgedroschener als es ist. Die Probierecke ist ganz nett eingerichtet und man hatte alle Ruhe, um hier das Angebot des Weingutes durch zu testen. Ich fand’s witzig und tatsächlich das erste mal, dass ich eine solche Weinprobe erlebt habe.

Mein Fazit: wie auch Piran ist Koper keine Stadt, in der ich mehrere Tage Urlaub machen würde, doch für einen Besuch in der Stadt sollte man sich die Zeit auf jeden Fall nehmen, wenn man in der Gegend ist.

Was der Süden sonst noch zu bieten hat…

Nun habe ich Euch von meinem kleinen Ausflug in die drei Städte des Südens erzählt. Auch wenn ich nur drei Tage in der Gegend war, wollte ich mir eines nicht entgehen lassen…

Park Postojnska Jama

Rund 70 Kilometer von Portoroz entfernt, wischen Ljubljana und Portoroz, liegt die zweitgrößte für Touristen erschlossene Tropfsteinhöhle der Welt. Das Höhlensystem, dass unter dem deutschen Namen „Adelsbeger Grotte“ bekannt ist umfasst unglaubliche 24 Kilometer, wovon gerade mal 5 Kilometer für den Tourismus geöffnet sind. Das wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen und… es hat sich gelohnt.
Irgendwie stehe ich auf Höhlen und Grotten und habe auch schon einige Unterwelten dieser Welt erkunden dürfen, aber so etwas Schönes ist mir bisher nicht untergekommen.
Ich möchte hier gar nicht zu viel erzählen, denn das war sich dort darbietet muss man selbst gesehen haben. Nur so viel kann ich sagen: es ist wunderschön…

Adresse: Postojsnka Jama, Jamska cesta 28, 6230 Slowenien
Web: http://www.postojnska-jama.eu
Kleiner Tipp: Bucht Euch ein Online Ticket vorab. Das erspart unter Umständen die Wartezeit.

Postojnska Jama (Adelsberger Grotte), Slowenien

All meine Bilder aus der Postojnska Jama findest Du in der AfiMIA Galerie

Burg Predjana

Zum Park Postojnska Jama gehört die „uneinnehmbare Burg“ Predjama, die rund 9 Kilometer vom Höhleneingang entfernt liegt. Es gibt einen Shuttle zwischen Höhle und Burg, doch wer mit dem Auto da ist, dem ist gut empfohlen, selbst zur Burg zu fahren.
Die Burg ist so einzigartig, weil sie direkt in den Felsen gebaut wurde und an das Höhlensystem anschließt. Das machte es den Burgherren der damaligen Zeit möglich, sich vor Angriffen zu schützen und falls die Bedrohung dann doch mal zu nah kam, sich in die Höhlen zurück zu ziehen. Das ausgefeilte System schien zu funktionieren.
Heute steht die Burg zur Besichtigung offen und mit einem Audio Guide erfährt man alles über die Geschichte der Burg und noch einiges mehr. Übrigens wurde hier einer der vielen Jacky Chan Filme gedreht.

Adresse: Predjama 1, 6230 Predjama, Slowenien
Die Tickets gibt es direkt an der Burg oder als Online Ticket bei http://www.postojnska-jama.eu

Burg Predjana, Slowenien

Ich hoffe, ich konnte Eurer Interesse für den wunderbaren Süden Slowenien’ wecken.
In diesem Sinne…

Adijo aus Slowenien

Erfahre mehr über Slowenien oder
entdecke meine Bilder in der AfiMIA Galerie

Agadir – mehr als nur Pauschaltourismus

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Agadir أكادير

Die Hafenstadt mit dem romantischen Namen weiße Stadt am Meer, liegt mit etwas über 600.000 Einwohnern im Süden Marokkos und ist die Hauptstadt der Region Souss-Massa.
Das Klima ist das ganze Jahr durch recht beständig. Am Tag steigen die Temperaturen auf mindestens 25°C (im Hochsommer zwischen Juli und September bis zu 45°C), während in der Nacht frische 15°C nicht unüblich sind. Das perfekte Klima für den Arganbaum, der hier seine Heimat hat.
Im Winter, zwischen Oktober und Dezember fällt viel Regen und einige Straßen rund um Agadir, in den Ausläufern des Atlasgebirges, werden unpassierbar. 

Marokko und die Region um Agadir ist eine meiner Empfehlungen der besten Reiseziele im Juni. Ich habe die ersten zwei Wochen im Juni, während des Ramadan, in Marokko verbracht und möchte Euch gerne an meinen Erlebnissen teilhaben lassen.

Die Geschichte Agadir’s

Im 15. Jahrhundert wurde die Stadt von portugiesischen Kaufleuten gegründet.
In den folgenden Jahrzehnten bauten die Portugiesen die Handelsverbindungen mit den Karawanen aus der Sahara auf und die Hafenstadt erlangte im 16. Jahrhundert ihren finanziellen Höhepunkt aus dem Export von Zucker, Baumwolle und Salpeter, sowie den Waren aus dem Saharahandel, den die Marokkaner inne hielten. Der Reichtum war in den 1760er Jahren vorbei, als der Sultan Sidi Mohammed ben Abdallah den Handel nach Essaouira (Nördlich von Agadir) verlagerte und es wurde ruhig in der Hafenstadt.

Im 20. Jahrhundert erklärte Frankreich, aufgrund der deutsch-französischen Spannungen und Rivalitäten um Marokko, das Land zum französischen Schutzgebiet und die Franzosen unternahmen eine Menge, Agadir zu sanieren. Jedoch verwüstete ein großes Erdbeben am 29. Februar 1960 die ganze Stadt. Über 15.000 Menschen ließen in nur wenigen Sekunden ihr Leben und Agadir war zu weiten Teilen zerstört.
Der Wiederaufbau ging mit Hilfe einiger europäischer Länder rasch voran und nach knapp 60 Jahren ist kaum noch etwas von der verheerenden Naturkatastrophe zu sehen. Leider wurde die gesamte Medina und viele Gebäude drum herum zerstört, so dass Agadir heute, außer dem Kasbah, keine alten Bauten mehr hat.

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Bild nach dem Erdbeben 1960

Agadir teilt sich heute im Grunde in vier Gebiete: der Hafen und das Industriegebiet, die Altstadt, die Neustadt und das Touristenzentrum am Strand und der Promenade.

Zwar wird Agadir vom Pauschaltourismus, was übrigens die Haupteinnahmequelle der Stadt ausmacht, geradezu überrollt, dennoch gibt es für die Entdecker unter uns einiges zu erleben.

Die Ankunft in Agadir

Bei der Ankunft am Flughafen Al Massira, etwa 30 Kilometer vom Zentrum entfernt, wird schnell klar, dass Agadir das Ziel für Pauschalurlauber ist. Am Ausgang warten bereits die Reiseunternehmen, um ihre Gäste in Empfang zu nehmen und mit deren Minibussen in die All-Inclusive Resorts zu fahren. 

Beim Verlassen des Flughafens bekommt man den Koffer fast schon aus der Hand gerissen und abtransportiert, ohne dass der hilfsbereite Herr überhaupt weiß, wo es hin geht. Natürlich macht er das nicht umsonst, aber wer nun denkt, er möchte lokales Geld, weit gefehlt. Nur Euros kommen für ihn in Frage. Direkt bekommt man einen ersten Eindruck von der Mentalität der Menschen in der Stadt, die in der Tourismusbrache tätig sind, denn es sollte sich später noch heraus stellen, dass das keine Ausnahme bleiben sollte.
Am Flughafen direkt gibt es wenige Taxis, denn Individualreisende kommen hier nur vereinzelt an. Etwas entfernt vom Ankunftsbereich sind jedoch einige Taxis, oder auch der Bus, der direkt nach Agadir fährt, zu finden. Bei höflichem Nachfragen, besteht durchaus auch die Möglichkeit in einem der Pauschaltransfers einen Platz zu ergattern und so sehr kostengünstig bis kostenlos ins Zentrum von Agadir zu gelangen.

Übernachten in Agadir

Die Stadt, gerade an der Promenade und in Teilen der Neustadt ist übersät mit All-Inclusive Resorts. In der Altstadt hingegen findet man nur wenige Hotels.
Die typisch marokkanischen Riad’s, kleine Häuser, meist mit Innenhöfen und tollen bunten Kacheln an Decken, Wänden und Böden, stellen in Marokko quasi die Hostels dar. Typische Hostels, wie man es aus anderen Ländern kennt, gibt es in Agadir nicht wirklich.
Alle Riad’s der Stadt wurden bei dem Erdbeben zerstört und teilweise wieder aufgebaut, leider lange nicht so schön, wie die Riad’s die man beispielsweise in Marrakesh findet.

Die Preise für Übernachtungen in Agadir, selbst in den 4 Sterne Hotels am Strand, sind überschaubar. In erster Reihe bucht man ein gutes Hotel bereits für 50€ die Nacht. Je weiter man Richtung Zentrum geht, desto günstiger wird es. 

Das Angebot an Restaurants ist reichhaltig, somit ist es nicht wirklich notwendig ein All-inclusive Angebot zu buchen. Selbstversorgung oder Verpflegung in den Restaurants ist selbst zu Ramadan kein Problem. Auch hier sind die Preise überschaubar. Für 25€ bekommt man bereits ein hochwertiges Drei-Gänge-Menü direkt an der Strandpromenade.
Meine Top-Empfehlung der Restaurants am Strand: Das El Toro. Zwar gibt es hier keine typisch marokkanische Küche, sondern eher eine Auswahl internationaler Speisen, aber sowohl die Qualität als auch der Service überzeugte total.

Der Strand und die Promenade

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Blick von der Kasbah auf den Hafen und den Strand von Agadir

Der sichelförmige, breite und saubere Sandstrand erstreckt sich über mehrere
Kilometer. Die großen Resorts bieten hier ihren Pauschalgästen einen Privatstrand mit Liegen und Sonnenschirmen, die teilweise auch gegen Gebühr von Nicht-Gästen des Hotels gemietet werden können. 

Obwohl hier eine Masse an Menschen unterwegs ist, herrscht eine ruhige Atmosphäre. Der weitläufige Strand lädt nicht nur Urlauber, sondern auch die Einheimischen zum relaxen, flanieren oder zum Sport ein.

Gerade zum Ramadan besiedeln die Marokkaner den Strand nach Einbruch der Dunkelheit zu einem geselligen Picknick am Strand. So sieht man hunderte von Menschen, die hier ihren Abend gemeinsam verbringen. Mit etwas Glück kann man so die Kultur etwas besser kennen lernen, wobei die Einheimischen doch sehr zurückhaltend gegenüber der Urlauber sind und es recht schwierig ist, in Kontakt zu kommen.

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Kamel am Strand von Agadir

Die fliegenden Händler, die über den Tag ihr Allerlei zum Kauf anbieten, bleiben meist
recht zurückhaltend und sind nicht besonders aufdringlich. Auch findet man zahlreiche Damen, die ihre Hennakunst und Herren, die Kamelreiten, anbieten, meist eher unaufdringlich.

Oberhalb des Strandes verläuft die sehr schön angelegte Promenade und wären da nicht die Marokkaner unterwegs, würde man nur wenig vermuten, dass man sich in Marokko befindet. Viel zu modern und wenig traditionell erscheint die Promenade von Agadir.

Am nördlichen Ende befindet sich der Jachthafen. Viele Marken- und Edelgeschäfte,  feine Restaurants und Hotels haben sich in den strahlend weißen Häusern angesiedelt. Raus aus der Marina reihen sich die lokalen und internationalen Restaurants aneinander, die nicht nur von Urlaubern besucht werden. Interessant sind die Speisekarten, die meist in Englisch, Französisch und auch in Deutsch angeboten werden. Die Übersetzungen sind teilweise sehr witzig. So gibt es zum Beispiel „Aufgespießt Huhn“ oder „Saft Rechtsanwalt“ (Avocadosaft) im Angebot.

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Jachthafen von Agadir

Am Abend lädt die Promenade zu einem Spaziergang ein. Auch nach Einbruch der Dunkelheit braucht man hier keine Angst vor Überfällen zu haben, denn jeder Teil ist hell ausgeleuchtet und die Touristenpolizei, die ihr Revier in Mitten der Promenade hat, läuft unentwegt Streife. 

Am Tag, wie am Abend sind hier ebenfalls einige fliegende Händler unterwegs, wobei mir das Ganze nicht ganz legal erschien. Mehrfach konnten wir beobachten, wie die Jungs und Mädels vor etwas weg rannten und sich hinter der Promenade am Strand versteckten.
Auffällig sind die Kinder, die an der Promenade mit ihren Rosen, um ein paar Münzen betteln. Offensichtlich mit wenig Berührungsängsten, scheuen sie nicht davor, erwachsene Männer anzuspringen.

Oberhalb der Promenade, beginnend an der Marina, verläuft die erste der drei Parallelstraßen, die sich komplett durch das Touristenzentrum zieht. Der Boulevard du 20 Août. Neben den Hotels in zweiter Reihe, Restaurants, Pubs und Nachtclubs, haben sich hier Souvenirhändler und Zweiradverleihservice angesiedelt.

Bisher hört sich das schon alles sehr nach Pauschalparadies an, aber Agadir hat einiges mehr zu bieten. Lasst mich Euch mitnehmen in das

Agadir für Entdecker:

Tafoukt Souq**

Der touristische Basar zwischen dem Boulevard du 20 Août und der Strandpromenade bietet alles vom Berberschmuck, über das marokkanische Gold, das Arganöl, bis hin zu Lederwaren und Fußballtrikots. Shopping Queens und Kings werden hier sicher fündig, auf der Suche nach dem marokkanischen Souvenir. Aber Achtung: Zwar kommen immer mehr Waren aus dem etwa 300 Kilometer entfernen Marrakesh, dennoch ist die Qualität oft minderwertig und nicht im Land hergestellt. Kleine Perlen findet man dennoch in dem reichhaltigen Angebot. Ich persönlich würde davon abraten, sich im Tafoukt Souq** mit Arganöl oder Gewürzen einzudecken. Dafür ist der Markt sicher der besser geeignete Ort.

Petit Train**

Auf der Boulevard du 20 Août befindet sich die Haltestelle des Petit Train. Der „kleine Zug“ ist eine Bimmelbahn, die für 18 Marokkanische Dirham (ca. 1,80 Euro) eine 40-minütige Panorama-Rundfahrt durch die Neustadt von Agadir anbietet. Eine wunderbare Möglichkeit, um sich einen ersten Überblick über die Stadt zu verschaffen, wobei alle Sehenswürdigkeiten auch sehr gut zu Fuß zu erreichen sind.

La Vallée des Oiseaux**

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Pfau im Bird Valley

Direkt hinter der Haltestelle des Petit Train** geht es in das kleine Valley of Birds**. Ein kleiner, schön angelegter Tierpark, der vor allem diverse Vogelarten, aber auch Ziegen und Steinböcke beherbergt. Durch den Park gelangt man auf die dritte Parallelstrasse, der Avenue Hassan II und schon ist man in der Neustadt angekommen.



Die Neustadt

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Podest für Verkehrspolizisten in der Neustadt von Agadir

Nicht besonders schön erstreckt sich die Neustadt mit den kargen Betonbauten östlich der schillernden Strandpromenade. Hier leben und arbeiten die Einwohner von Agadir im geschäftigen Zentrum. Schaut man aber etwas genauer hin, findet man kleine Oasen in der Stadt, die darauf warten entdeckt zu werden. 

Die Moschee von Agadir**

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Die Moschee von Agadir

In Mitten der Avenue des FAR befindet sich das hübsche Herzstück der Stadt, das kurz nach dem Erdbeben hier errichtet wurde. Die Moschee Mohamed V, die zum Gebet die Einwohner der Stadt anzieht. Neben den zahlreichen Moscheen der Stadt ist die Mohamed V die größte und bekannteste. Der Stadtteil und die damalige Moschee wurden beim Erdbeben komplett zerstört, so dass das Gebäude recht modern und doch traditionell erscheint.

Das Mémoire d’Agadir**
und der Olhao Park**

An der Ecke der Avenue du Président Kennedy und der Avenue des FAR befindet sich das Mémoire d’Agadir. Ein kleines Museum, dass mit eindrucksvollen Bildern, das frühere Agadir und das Erbeben behandelt. Der Eintritt ist mit 20 Marokkanischen Dirham (etwa 2 Euro) recht überschaubar und man bekommt eine kleine Einführung in die Geschichte der Stadt.

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Der Olhao Park in Agadir

Hinter dem Gemäuer, dass nach dem Erdbeben wieder im ursprünglichen Stil aufgebaut wurde, geht es in einen kleinen Park, den Olhao Park, der von der anderen Seite öffentlich und ohne Eintritt, zugänglich ist. Der Park wurde 1992 anlässlich der Städtepartnerschaft mit der portugiesischen Stadt Olhao angelegt. Überall in der kleinen Oase findet man die Ruinen, die nach dem Erbeben nicht wieder aufgebaut wurden. Schön zu sehen ist die Bauweise, wie sie hier verwendet wurde, denn es erinnert sehr an portugiesischen Stil. Die Säulen aus kleinen Schiefersteinen und Wände aus Lehm. Die Tür- und Fensterrahmen aus einfachen Holzbalken zusammen gezimmert. Die Böden wurden mit bunt gemusterten Fliesen ausgelegt. 

Passage Aût Souss

Eine weitere kleine Oase zwischen den kargen Betonbauten findet man in der Passage Aût Sousa. Die breite Passage erstreckt sich als fahrzeugfreie Querstraße zwischen der zweiten und dritten Parallelstraße. Hier befindet sich versteckt das Musée du Patrimoine Amazigh. Das Museum beschäftigt sich mit dem Kunsthandwerk und der Lebensweise der Berber.

An der Ecke der Passage und der Avenue Mohamed V gibt es eine weitere, recht unbekannte Sehenswürdigkeit der Stadt zu entdecken. Das Theater von Agadir. Außer bei Veranstaltungen leider geschlossen, stellt alleine die Fassade ein Augenschmaus dar.

Stade al Inbiaat**

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Das Stadion von Agadir

Langsam geht es weiter Richtung Altstadt. Auf der Avenue Mohamed V in Richtung Süden liegt das Stadion von Agadir, das Stade al Inbiaat. Der Haupteingang ist im schlichten, aber typisch marokkanischen Stil gehalten und würde es nicht am Eingang stehen, würde man hier nicht wirklich eines der größten Stadien Marokkos vermuten. Mit etwas Glück ist der Seiteneingang geöffnet, so das man einen Blick ins Innere des Stadions werfen kann. Ansonsten besteht noch die Möglichkeit vom Hintereingang in das Stadion zu gelangen. Viel zu sehen gibt es allerdings nicht.

Nach dem Stadion geht es weiter entlang des Präsidentenpalast und dem dazugehörigen Park, der an mehreren Stellen von Wachposten geschützt wird, in die Altstadt.

Die Altstadt

Auch die Altstadt besticht durch ihre kargen Bauten, allerdings geht es hier weitaus chaotischer zu. Diesen Stadtteil als Altstadt zu bezeichnen, ist fast schon ironisch, denn auch hier wurde vieles zerstört und in den letzten 60 Jahren neu aufgebaut. Dennoch gibt es hier zwei Highlights zu entdecken:

Der Souk el Had

Der größte und traditionelle Markt der Stadt war mein persönliches Highlight in Agadir. Hier kommen die Marokkaner her, um sich mit Obst und Gemüse, als auch Fleisch, Fisch, Backwaren und natürlich den traditionellen Gewürzen einzudecken. Gewürze und Pflegeartikel natürlichen Ursprungs sind typisch marokkanisch. An allen Ecken duftet es herrlich nach den verschiedensten Gerüchen und es geht hektisch zu auf dem Markt. Hier wäre nun die richtige Gelegenheit sich mit den Gewürzen und lokalen Produkten einzudecken.

Hinter dem großen Food Market geht es in ein Labyrinth von Gängen, mit hunderten kleiner Shops, die alles, wirklich alles anbieten, dass die Marokkaner für Ihren Alltag benötigen. Kleidung, Schuhe, Schmuck, Bettwäsche, Möbel, Reinigungsmittel und und und. Es gibt hier nichts, was es nicht gibt. In diesem Bereich des Marktes sind nur wenige Urlauber unterwegs und man bekommt ein tolles Gefühl der marokkanischen Kultur.

Natürlich kommen auch Souvenirshopper auf ihre Kosten, den im nächsten Teil des Marktes stellen viele lokale Hersteller ihre Souvenirs zum Verkauf. Neben den Standardwaren, die es überall in der Stadt gibt, findet man hier kleine Schätze von lokalen Künstlern. 

Die Neue Medina

Nach der Shopping Tour ist es wieder etwas Zeit für Kultur. Das zweite Highlight etwas außerhalb der Altstadt ist die Neue Medina. Da die Stadtmauern und die alte Medina beim Erdbeben komplett in Schutt und Asche gelegt wurden, gibt es heute leider nichts mehr, dass an das frühere Agadir erinnert. Ein Mann aus Sizilien machte es sich zur Aufgabe die alte Medina an einem anderen Ort originalgetreu nachzubauen. So kann man die neue Medina, heute etwas außerhalb des Zentrums, besichtigen und bekommt einen Eindruck davon, wie es in der Stadt mal ausgesehen haben muss. 

Kasbah

Wir verlassen das Zentrum und machen uns auf den Berg über Agadir.
Vom Strand aus ist die Kasbah bereits zu bewundern und bei Dunkelheit ist der Berg mit einem Schriftzug beleuchtet. Der Andienen Talborjet, der Berg unterhalb der Kasbah, wo sich die einstige Altstadt befand, dient heute als Friedhof, der beim Erdbeben ums Leben gekommene Einwohner.
Zu sehen ist davon nichts. Die rund 15.000 Menschen wurden hier begraben und heute ist Gras darüber gewachsen.
Die Kasbah ist zwar zu Fuß zu erreichen, aber der Anstieg ist hart und schweißtreibend. Daher meine Empfehlung: mit dem Taxi nach oben und zu Fuß zurück in die Stadt. Als Alternative würde sich ein Roller, den man in der Boulevard du 20 Août mieten kann, anbieten.
Bis auf die Außenmauern der Festung ist hier nicht mehr viel zu sehen. Vereinzelt findet man noch Einstige und kann erahnen, wie es hier einmal ausgesehen hat.
Dennoch lohnt sich ein Besuch, denn der Ausblick von hier oben ist wunderschön. Man blickt über den Strand und den Hafen von Agadir, sowie über die gesamte Stadt und im Norden in die Berge des Atlasgebirges.

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Kasbah auf dem Berg über Agadir

Ein wunderbarer Abschluss für eine Tour durch das Agadir für Entdecker.

In diesem Sinne:
viel Spaß bei Eurem nächsten Besuch in Agadir.

Meine Reiseempfehlungen für Marokko:

Beste Reisezeit…
Küstenregion Marokkos (Norden/Nordwesten): April bis November
Marrakesch (Inland): September bis Mai
Atlasgebirge (Hochlage): März, April, Mai, Oktober, November
Westsahara Küstenregion (Südwesten) (Agadir): April bis November

Anreise…
Günstige Flüge nach Marrakesh und Agadir gibt es mit Ryan Air*

Übernachten…
Die traditionellen Riadh’s sind sicherlich die schönste Art, die Nacht in Marokko zu verbringen. Über booking.com* findet man ganz nette Riadh’s

Reiseführer…
Der Lonely Planet* ist ein super Reiseführer für Marokko. Eine gute Alternative gib’t von Marco Polo*.

Sprache…
in Marokko wird neben Marokkanisch größtenteils Französisch gesprochen. Auch mit Englisch und teilweise auch Deutsch kommt man in den Touristengebieten gut weiter. Dennoch sind Sprachkenntnisse nie verkehrt… Jetzt Sprachen lernen mit Babbel*

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